Ofenkacheln

Vielgestaltig und topaktuell – Die Öfen auf der Burg Bartenstein

2004 geborgene Kachelfragmente aus dem Halsgraben östlich der Burg

Die Ausgrabungen auf der Burg Bartenstein bei Partenstein zwischen 2003 und 2017 förderten eine große Anzahl von Kachelbruchstücken zutage. 1453 davon konnten in der Datenbank FurnArch1 erfasst werden.

Die Kacheln von der Burg Bartenstein ergeben in Summe eine kleine Stilgeschichte der untermainischen Ofenkeramik. Beginnend mit einfachen, scheibengedrehten Spitzkacheln wurden die Öfen ab 1300 zusätzlich mit ebenfalls unverzierten Napfkacheln ausgestattet. Um 1330 setzte man wahrscheinlich im Palas einen Ofen, der zumindest in seinem Oberbau aus grüngelb glasierten, reliefierten Kacheln bestand. Diese dürften in Würzburg gefertigt worden sein.2

Verteilung der in FurnArch aufgenommenen Ofenkeramik in den Grabungsschnitten der Burg Bartenstein. Die in blauen Kreisen eingefassten Zahlen beschreiben jeweils die in den Schnitten gefundene Anzahl an Ofenkeramik.

Die im letzten Drittel des 14. Jahrhunderts anlässlich der Neuausstattung der Räumlichkeiten des Herren von Hanau und des Erzbischofs von Mainz errichteten Öfen bezog man aus Dieburg. Dort gefertigte Kranz- und Halbzylinderkacheln vom Typ Tannenberg saßen im Oberteil zweiteiliger Öfen, deren Unterbau mit unglasierten Napfkacheln bestückt war. Vom 15. Jahrhundert an dürften in weniger repräsentativen Räumlichkeiten vollständig aus Napfkacheln bestehende Öfen gestanden haben. Regional gefertigte Halbzylinderkacheln mit Kielbögen und in der Folge solche mit geschlossenen Bildfeldern ersetzten ab 1430 die Öfen Dieburger Prägung. Im 16. Jahrhundert waren Öfen mit Blattkacheln mit ornamentalem Besatz tonangebend. Bald nach 1550 setzte man im Palas der in den Grafenstand erhobenen Herren von Hanau darüber hinaus einen aufwändig reliefierten, teilweise buntglasierten Ofen. Ein anderes Zimmer in einer der Räumlichkeiten auf der Burg konnte mit Kacheln mit diamantschnittbesetztem Tapetenmuster aufwarten. Braunglasierte Blattkacheln mit Fenster- und Tapetendekoren sowie mit glatten Medaillons schließen zu Beginn des 17. Jahrhunderts auf der Burg Bartenstein den Reigen der dort zum Einsatz kommenden Kachelöfen ab.

Die Ofenkacheln von der Burg Bartenstein können als Besonderheit mit den Resten eines Ofens aufwarten, der mit frühen reliefierten Ofenkacheln besetzt war…

Die Halbzylinderkacheln vom Typ Tannenberg sind in ihrer Grundstruktur weitgehend einheitlich ausgebildet. Sie unterscheiden sich durch den Dekor …

Der Ofen, der um 1400 auf der Burg Bartenstein stand, verfügte über ein Wärmefach mit Kruselerpüppchen …

Halbzylinderkacheln mit Vögeln in den Zwickeln und Kielbögen sind aus ganz Südwestdeutschland und der Nordschweiz bekannt…

Von einer zweiteiligen Verkündigungsdarstellung haben sich auf der Burg Bartenstein Reste mehrerer Halbzylinderkacheln mit der Darstellung des Verkündigungsengels erhalten…

Das Kachelrelief mit Madonna ist Teil einer vierteiligen Bildfolge. Zusammengenommen zeigt diese die Anbetung der Heiligen Drei Könige…

Darstellungen des Heiligen Christophorus mit dem Jesuskind sind auf reliefierter Ofenkeramik vergleichsweise selten…

Aus der Burg Bartenstein stammen zwanzig Fragmente von Halbzylinderkacheln mit geschlossenen Vorsatzblättern, deren Schauseite eine Rose zierte…

Das Bildfeld auf der Partensteiner Halbzylinderkachel mit Einhorn zeigt eine auf einem Felsen sitzende Frau mit übereinandergeschlagenen Beinen…

Ritter beim Gestech zählen zu den bestuntersuchtesten Bildmotiven auf spätgotischen Kacheln…

Die unglasierte, Napfkachel von der Burg Bartenstein nimmt sich im Vergleich zu reliefierten Ofenkacheln eher unscheinbar aus…

Aus dem Schutt des Mainzer Baus der Burg Bartenstein stammen mehrere Fragmente einer Kranzkachel mit Liebespaar in Renaissancegewandung…

Modelgepresste Kacheln mit glatten Feldern ohne Binnenstruktur sind in spätgotischen und frühneuzeitlichen Befundkomplexen häufig anzutreffen…

Kachelreliefs mit kleinteiligem Diamantschnittdekor werden den Tapetendekoren zugewiesen…

102 Fragmente dunkelgrün glasierter Blattkacheln zeigen im Bildfeld ein mit kleinteiligen, rautenförmig angeordneten Scheiben bestücktes, zweiflügeliges Fenster…

Die Visualisierung

Zum besseren Verständnis der räumlichen Dimension des Ofenkörpers bietet es sich an, als Darstellungsform auf die dreidimensionale, computergestützte Visualisierung zurückzugreifen. Eine solche Modellierung setzt sich aus dem additiven Aufbau einzelner, eigenständig entwickelter Versatzstücke zusammen. Ist ein Modell einmal erstellt, lassen sich seine Einzelteile in beliebig viele Alternativentwürfe einbinden. Die Visualisierung erlaubt ein Be- und Umfahren des allansichtigen Ofenkörpers. Die Wirklichkeitsnähe ergibt sich aus der bis ins Detail regulierbaren Texturierung und Beleuchtung. Damit kann das Spiel der Reflexionen der Glasur in einer Art und Weise dargestellt werden, wie es in etwa zum Nutzungszeitpunkt der Öfen vom Betrachter wahrgenommen worden sein dürfte.

Die virtuelle Rekonstruktion eines Kachelofens ist ein effektives Werkzeug, um mit diesem die Quintessenz intensiver Forschung publikumswirksam und eingängig darzustellen. Die Methode hat Stärken und Schwächen…

Wie schwierig das Erstellen einer schlüssigen und in sich stimmigen Rekonstruktion sein kann, zeigt sich an der Visualisierung eines Ofens mit Kacheln vom Typ Tannenberg.

© Harald Rosmanitz, Partenstein 2022


Literaturverzeichnis

Gerlach, Stefan; Haas, Brigitte; Mittelstrass, Tilman; Müller, Frank; Schmidt, Irene (1987): Ein Töpferofen mit Abfallgrube des 14. Jahrhunderts in Würzburg. In: Bayerische Vorgeschichtsblätter 52, S. 133–230.

Rosmanitz, Harald (2011): Vom Fragment zum Kachelofen. Die Stecknadel im Heuhaufen. In: Georg Ulrich Großmann (Hg.): Heiß diskutiert – Kachelöfen. Geschichte, Technologie, Restaurierung (Veröffentlichung des Instituts für Kunsttechnik und Konservierung im Germanischen Nationalmuseum 9), Nürnberg, S. 13–31.


  1. https://furnologia.de/furnarch/. Stand vom 23.02.2022; Rosmanitz 2011, S. 24-25. Nicht reliefierte Kacheln wie Becher-, Napf- und Spitzkacheln fanden keine Berücksichtigung.
  2. Gerlach et al. 1987